Sehtest, Hörtest, Lungenfunktion, EKG: Ein großer Teil jeder arbeitsmedizinischen Vorsorge sind Messungen an Geräten. Ob deren Ergebnisse von Hand in die Akte übertragen werden oder automatisch dort landen, entscheidet die GDT-Schnittstelle — und damit, wie viel Zeit jede Untersuchung für Abtippen und Zuordnen kostet.
GDT steht für Gerätedatentransfer und ist der in deutschen Arztpraxen etablierte Standard, über den Praxissoftware und Medizingeräte Daten austauschen. Das Prinzip ist einfach: Die Software übergibt einen Auftrag mit den Daten der untersuchten Person an das Gerät, das Gerät liefert nach der Messung die Ergebnisse zurück. Die meisten Mess- und Diagnostikgeräte, die in Deutschland für die Praxis angeboten werden, unterstützen GDT.
Welche Geräte zum Einsatz kommen, ergibt sich aus den Vorsorgeanlässen. Die gängigen Kürzel stammen aus den früheren DGUV-Grundsätzen, die heute als DGUV Empfehlungen fortgeführt werden: Bei Lärm (G 20) ist es das Audiometer, bei Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten (G 25), Bildschirmarbeit (G 37) und Absturzgefahr (G 41) das Sehtestgerät, gegebenenfalls ergänzt um Perimetrie. Beim Tragen von Atemschutz (G 26) kommen Spirometer und EKG hinzu. Dazu kommen Blutdruck- und Vitalzeichenmessung sowie bei Fragen der Fahreignung psychometrische Testsysteme.
Ohne Schnittstelle wird jede untersuchte Person am Gerät ein zweites Mal angelegt, die Messwerte werden vom Bildschirm oder Ausdruck abgeschrieben, und der Befund wird eingescannt und von Hand der richtigen Untersuchung zugeordnet. Das kostet bei jeder Messung Zeit und ist die häufigste Fehlerquelle in der Dokumentation. Hinzu kommt: Ein Wert, der nur als PDF vorliegt, lässt sich nicht auswerten — dabei ist gerade in der Arbeitsmedizin der Verlauf über Jahre aussagekräftig, etwa bei den Hörschwellen in der Lärmvorsorge.
Dass eine Software „eine GDT-Schnittstelle hat", sagt wenig. Entscheidend ist, wie die Anbindung im Alltag aussieht. Fragen Sie konkret: Werden alle meine Geräte angebunden oder nur ausgewählte Modelle? Kostet jedes weitere Gerät extra? Wer richtet die Anbindung ein, und was kostet die Einrichtung? Starte ich die Messung direkt aus der Untersuchung, oder wechsle ich zwischen Programmen? Kommen die Werte als auswertbare Daten in die Akte oder nur als PDF-Anhang? Und kann ich jeden Wert prüfen, bevor er übernommen wird?
Im besten Fall merkt man die Schnittstelle gar nicht: Das passende Gerät steht in der Untersuchung bereit, ein Klick startet die Messung, und die Werte stehen nach der ärztlichen Prüfung in den richtigen Feldern der Akte, mit dem Befund-PDF an der Untersuchung. Bei Reihenuntersuchungen mit Dutzenden Beschäftigten an einem Tag ist das der Unterschied zwischen einem Nachmittag Nacharbeit und keiner.